eonardos Eltern waren der zur Geburt Leonardos 25-jährige Notar Piero da Vinci und nach neuestem Forschungsstand mit hoher Wahrscheinlichkeit die getaufte, damals 22-jährige arabische Sklavin Caterina, die bei Piero vorübergehend als Magd arbeitete.
[Anmerkung 1] Die Mutter heiratete wenig später den Töpfereibesitzer Accattabriga di Piero del Vacca aus Vinci und bekam fünf weitere Kinder. Der Vater Piero war seinerseits viermal verheiratet und hatte von seinen beiden letzten
Frauen neun Söhne und zwei Töchter. Nach der Trennung von Caterina nahm er Leonardo als leiblichen Sohn an. Als erfolgreicher Notar gehörten zu seinen Klienten die
Medici wie auch Mitglieder der regierenden
Signoria, des Rats des Stadtstaates Florenz.
Leonardo verbrachte den größten Teil seiner Jugend in Florenz. Schon früh interessierte er sich für Musik,
Zeichnen und Modellieren. Sein Vater zeigte einige seiner Zeichnungen
Andrea del Verrocchio, der die künstlerische Begabung des Jungen erkannte und ihn in seine Werkstatt aufnahm.
Lehrjahre bei Verrocchio [Bearbeiten]

Tobias und der Engel, Verrocchio und Leonardo, um 1470–1475

Taufe Christi, Verrocchio und Leonardo, um 1472–1475
Verrocchio war einer der bedeutendsten Bildhauer im damaligen Florenz, außerdem als Goldschmied und Maler tätig. In seinem Atelier lernte und arbeitete Leonardo etwa von 1470 bis 1477, unter anderem in Gesellschaft von
Lorenzo di Credi und anderen Schülern, die weniger berühmt geworden sind.
In den Künstlerwerkstätten des 15. und 16. Jahrhunderts war es üblich, dass der Meister die Anfertigung eines Werkes nicht allein vornahm, sondern Teile der Ausführung seinen Gesellen und Schülern übertrug. Das vermutlich früheste erhaltene Zeugnis eines Gemäldes aus der Werkstatt Verrocchios unter Beteiligung Leonardo da Vincis ist
Tobias und der Engel (datiert um 1470–1475).
[2]Kunsthistoriker nehmen an, dass Leonardo den Fisch
[3] in der linken Hand des Tobias, den Hund
[4] zu Füßen des Engels aber auch den Haarschopf
[5] des Tobias gemalt haben könnte. Diese Bildobjekte, so behauptet der Leonardo-Biograf
Charles Nicholl, zeigten eine
Virtuosität und Perfektion, zu der Verrocchio nicht in der Lage war.
[5]
Im Alter von 20 Jahren hatte Leonardo seine Lehrzeit abgeschlossen, arbeitete aber weiter in Verrocchios Werkstatt. Er soll – so berichtet u. a.
Giorgio Vasari, ein Pionier unter den Kunstchronisten und erster Biograph Leonardos – auf dem Bild
Die Taufe Christi, das Verrocchio für die Mönche von Vallombrosa malte, den auf der linken Seite knienden Engel in das Bild seines Lehrers eingefügt haben (heute in den
Uffizien in Florenz zu sehen). Das ursprünglich in
Tempera gemalte Bild wurde später z. T. in Öl übermalt (evtl. von Leonardo), so dass ein fundiertes Urteil über die Urheberanteile schwierig ist. Leonardos Beitrag wird nicht nur im Gesicht des Engels, sondern auch in Teilen der
Bekleidung und des landschaftlichen Hintergrunds vermutet. Im linken Teil des Landschaftshintergrundes ist bereits Leonardos
Sfumato-Technik zu erkennen, seine charakteristische Weichzeichnung von Motiven. Das Bild wird um das Jahr 1475 datiert, in dem auch das Bild
Verkündigung an Maria und Leonardos Studien für Faltenwürfe von Gewändern und das Profil eines Kriegers entstanden.
Seit 1472 findet sich Leonardos Name in den Listen der St.-Lukas-Gilde, der Malergilde von Florenz. Hier lebte und arbeitete er weitere zehn Jahre und arbeitete gemeinsam unter anderen mit den Malern
Sandro Botticelli und
Pietro Perugino. Im Gegensatz zum später geborenen
Michelangelo (* 1475) wurde Leonardo als offen und freundlich geschildert. Er hatte jedoch auch einen Hang zur Einsamkeit und wurde beschrieben mit den Worten: „
Wenn du allein bist, wirst du dir ganz gehören.“ (
Codex Ashburnham I 27 v.)
Leonardo, der zeitlebens Männerfreundschaften pflegte, musste sich 1476 einer Anklage wegen
Sodomie stellen (Anm.:
Homosexualitätfiel im Mittelalter auch unter Sodomie). Beamte des Florentiner Magistrats ermittelten gegen ihn. Leonardo wurde vorgeworfen, mit dem 17-jährigen Prostituierten
Jacopo Saltarelli sexuellen Kontakt gepflegt zu haben, was jedoch nicht eindeutig geklärt werden konnte. Es gab keine Beweise, und Leonardo wurde freigesprochen.
Als sensibler Künstler begann er bereits früh, seine Gedanken und Gefühle in Notizbüchern (Codici) zu notieren. Aus seinen Ausführungen ist abzuleiten, dass er nicht – wie andere
Renaissancekünstler – die Pracht der antiken Kunst durch Imitation von Modellen wiederbeleben wollte, sondern sich als Schüler der Natur berufen fühlte, die Schönheiten der Natur selbst und diese im Zusammenspiel mit Menschen darzustellen. Merkwürdige Formen von Hügeln und Felsen, seltene Pflanzen und Tiere, Bewegungen des Wassers, ungewöhnliche Gesichter und Figuren von Menschen waren die Dinge, die er in seiner Malerei und in seinen Naturstudien aufgriff. Die früheste datierte Zeichnung ist die
Arnolandschaft vom 5. August 1473 (heute in den
Uffizien Florenz). Fast alle seine Porträts hat er mit einem Natur-Hintergrund gemalt und in seinen Notizbüchern eine Vielzahl an Pflanzen- und Tierstudien festgehalten.
1477 scheint er die besondere Gunst
Lorenzo de Medicis gefunden und als freier Künstler unter dessen Patronage gearbeitet zu haben. Es entstanden erste Porträts und
Marienbilder, 1475–1478 die
Madonna Benois (St. Petersburg, Eremitage), und 1478–1480 ein Porträt
Ginevra de’ Bencis, einer Tochter von Amerigo de’ Benci, der Leonardos Leidenschaft für kosmografische Studien teilte (Washington, National Gallery). 1481 erhielt er einen ersten größeren Auftrag vom Augustinerorden im Kloster San Donato in Scopeto nahe Florenz für ein Altarbild
[6] und zeichnete die Skizzen für die
Anbetung der Heiligen Drei Könige (heute: Uffizien). Trotz seines Talents und seiner Leistungen blieb er arm. Als sich fast alle seine Künstlerfreunde 1481 in Rom niederließen, um für den
Vatikan zu arbeiten, ergab sich für ihn in Mailand die Chance einer festen Anstellung am Hof der
Sforzas.